Studentenrevolte  

Die Recherchen zur Zusammenstellung der Zeitleisten wurden 2003 vom damaligen AStA durchgeführt. Sie wurden uns so zur Verfügung gestellt und inhaltlich und stilistisch in der Ausgangsform übernommen. 

Zeitleiste

1967 Politisches Klima an der Uni verschärft sich, Erschießung Benno Ohnesorgs in Berlin, Frankfurter Studenten fordern Konsequenzen für die staatlichen Organe, aus Wut und Enttäuschung kommt es immer wieder zu Streitigkeiten mit Rektor und Professoren. Mai. Störaktion gegen deutschamerikanische Woche auf dem Römerberg, Anlass ist der Vietnamkrieg. Juni. Schweigemarsch und Kundgebung auf dem Römer: Frankfurter Studenten trauern um den in Berlin erschossenen Benno Ohnesorg; "Teach-in" hinter dem Studentenhaus: "Der Notstand wird nicht mehr geprobt, sondern praktiziert!" 
1968  Januar. Das politische Klima an der Universität spitzt sich zu: Senatssitzung endet mit "Go-out" der Studenten, Transparente mit "Statt parieren: revoltieren" und "Brecht die Diktatur der Ordinarien" werden entrollt. Veranstaltung zur kubanischen Revolution, im Studentenhaus werden Filme über Kuba und Vietnam, sowie Reportagen über Che Guevara und Fidel Castro unter riesigem Interesse der Studenten gezeigt. April.  Polizei sucht im AStA nach Belegen für Spenden an die Witwe Ohnesorgs, das Geld wurde von Studenten bei einem "Teach-in" für die junge Witwe gesammelt, außerdem steuerte der AStA noch einmal Geld von sich dazu, was die Staatsanwaltschaft wegen Veruntreuung ermitteln ließ. Mai. Streikende Studenten belagern die Hochschule, die sie in "Karl Marx-Universität" umbenannt haben. Dezember. Streik dauert an, Bruch der Studentenbewegung mit Adorno und Habermas, "pseudolinke Einstellungen führen nur zur Verfestigung autoritärer Strukturen"; Forderung nach "Neuorganisation der Wissenschaft". 
1969 Januar. Rektor stellt Ultimatum und verbietet dem AStA, zu "Streik" oder "Boykott" aufzurufen. April. Druck erzeugt Gegendruck: Ausschreitungen, 31 Festnahmen, Wasserwerfer, Verletzte bei der Immatrikulation; Brandstiftung im Hauptgebäude; Demonstranten errichten Barrikaden, Polizei reagiert mit Tränengas August. Polizei stürmt das Studentenhaus und geht dabei mit unverhältnismäßiger Härte zu Werke. In den folgenden Wochen und Monaten kommt es immer wieder zu heftigsten Auseinandersetzungen zwischen Studenten und der Polizei - Studentenrevolte, Anlass zur Eskalation gibt die Ablehnung der Immatrikulation des persischen Studenten Achmed Taheri.  Rektorat bespitzelt den AStA per Telefon, außerdem sei auf dem Dach der Jügelstraße ein Mikrophon installiert worden, um "Teach-ins" und sonstige Veranstaltungen abzuhören. 
1970 April. Ausschreitungen bei einer Solidaritätskundgebung für die "Black Panthers", Steine fliegen. Der studentische Kindergarten geht in Planung, übergangsweise müssen Ruheräume und Handbibliothek den Studentenkindern weichen.
1971 Mai.  Warnstreik der Tutoren der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät für tarifliche Bezahlung (220 Mark für 50 Stunden monatlich) Der Kindergarten wird eröffnet, 48 Kinder werden aufgenommen, den Ausbau bezahlt hat der AStA, die Studentengemeinden und das Studentenwerk. Das große Thema an der Uni: Häuserbesetzungen rund um die Universität. Oktober. Studentische Wohngemeinschaften besetzen Häuser im Westend.  November. Warnstreik gegen den Entwurf des Hochschulrahmengesetzes.  Polizei startet groß angelegte Aktion gegen illegale Drogen und durchsucht dabei mehrere Uni-Gebäude, Festnahmen in dem von Arbeitern und Studenten besetzten Haus in der Jügelstraße, Beschlagnahmung von Drogen (LSD, Opium und Hasch).
1972 Januar. Razzien in den Uni-Gebäuden, "Minderjährige Mädchen mit Rauschgift angetroffen".  Februar. Streikposten verhindern Klausuren im Fachbereich Wirtschaftswissenschaften, Klausur wurde mit "Stinkbombe" gesprengt, Polizei mit fauligen Eiern beworfen. November. Eierattacken gehen weiter: Dieses Mal trifft es den Rektor, der daraufhin die AStA-Konten sperren lässt  Erneute Razzia in der Jügelstraße, dabei massive Auseinandersetzungen mit den Studenten, danach Räumung des Hauses. November. Der Hessische Verwaltungsgerichtshof erklärt die Satzung der Frankfurter Studentenschaft für rechtsungültig, die AStA-Koalition aus "Kommunistischem Hochschulverband" (KSV) und "Sozialdemokratischem Hochschulbund" (SHB) tritt zurück und besetzt die AStA-Räume, Demonstrationen für die sofortige Rückgabe aller politischen Rechte und Freigabe der eingefrorenen Konten des AStA. 
1973 Juni. Kommunistischer Studentenbund verhindert Studentenschaftswahl, Urnen und Wahlzettel werden zerstört. 
1974 Januar. Zwölf Polizeibeamte durchsuchen die Räume des AStA und beschlagnahmen umfangreiches linkes Propagandamaterial und Anleitungen zum Widerstand bei Hausdurchsuchungen, ca. 700 Studenten versammeln sich um das Studentenhaus und greifen die Polizeibeamten beim Verlassen des Hauses an, es kommt es zu einer Straßenschlacht mit Wasserwerfer-Einsatz. Massenschlägerei mit der Polizei nach Durchsuchung der AStA-Räume; "Hände weg vom AStA" und "Bullen raus aus der Uni" rufen die Demonstranten, anschließend gibt's wieder Tränengas; 5.000 demonstrieren auf dem Römer gegen "brutalen Knüppeleinsatz". 
1975 Juni. 150 Studenten entwenden nach Vollversammlung Personalakten beim Kanzler der Universität und verbrennen diese öffentlich auf dem Campus. 
1977 Juni. Die Frankfurter Studierendenschaft ist im Streik, Grund dieses Mal das Hochschulrahmengesetz und das politische Mandat des AStA, Feuerwerkskörper im Großen Hörsaal der Physik gezündet. November. Studierende bewerfen Kultusminister und Landtagsabgeordnete bei Diskussionsveranstaltung mit Tomaten und Eiern, sie zwingen Journalisten zur Zerstörung von Filmmaterial; Grund für die Tumulte: Die Studierenden wenden sich gegen die Einführung von Regelstudienzeit und Studienordnungen.